Fuß-Vergewaltigung

In den letzten Tagen fiel mir morgens am Bahnhof etwas Unheimliches auf – es war, bzw. ist abstoßend hässlich, widerwärtig geschmacklos, sieht wirklich übertrieben zum Kotzen aus und kann eigentlich nur ein Witz sein:

Der unfertige Schuh

Right. Es geht um diese neuen Plateau-Keilabsatz-Schuhe (oder wie ich sie nenne: Unfertige, nich zuende gefräste Schuhe… oder auch Klumpfußschuhe.. bzw. einfach nur hässliche Kackstelzen)

Nachdem ich also 27 Ladies, die mir mit eben solchen “Schuhen” entgegenkamen, auf die Füße gekotzt hatte, war mein Magen leer. Zeit, mir mal meine Gedanken zu dieser Absurdität zu machen. Ich versuchte auf möglichst realistische und logische Art nachzuvollziehen, was ein menschliches Hirn allen Ernstes zu solch einer Ausgeburt des schlechten Geschmackes treiben kann.

Ich kam zu dem Schluss, dass es sich wie folgt abgespielt haben muss:

Die Entstehungsgeschichte der hässlichsten Schuhe der Welt

Zwei Designer, Vincenzo (oder wie die eben immer so heißen) und Pierre (um das Klischee perfekt zu machen) treffen sich.

Sagt Pierre: “Hey, ich hab ‘ne Idee.”
Sagt Vincenzo: “Schieß los, Keule.”
Sagt Pierre: “Lass mal was total Hässliches entwerfen.”
Vincenzo schweigt und zieht fragend eine Augenbraue hoch.
Sagt Pierre: “Na?”
Sagt Vincenzo: “Wo ist da die Idee? Ist das nicht ohnehin unser Job?”
Sagt Pierre: “Richtig. Aber ich will mal testen, wie weit wir gehen können.”
Sagt Vincenzo: “Warum? Ich sage dir, wir könnten Kartoffelsäcke verticken. Solange nur ein Designername draufsteht, ein, zwei Stars, die wir bestochen haben, es in ein paar Interviews tragen und genügend Menschenhorden drauf reinfallen, verkaufen wir alles!”.
Sagt Pierre: “Glaub ich nicht. Es muss doch noch Leute mit Anstand und eigenem Geschmack geben.”
Sagt Vincenzo: “Pah, wie naiv. Wir können ja wetten.”
Sagt Pierre: “.. Ja… ja okay, warum nicht.”

Im Ernst?

Beide fangen an zu überlegen. Pierre kratzt sich zwischen den Beinen, in der Hoffnung, dass Vincenzo es nicht sieht. Vincenzo, der sehr wohl sieht, dass Pierre sich zwischen den Beinen kratzt, reibt sich nachdenklich das Kinn. Plötlich schnippt Pierre mit dem Finger.

Sagt Pierre: “Ich hab’s! Wir entwickeln den hässlichsten, lächerlichsten, abartigsten und klobigsten Schuh, den es je gab.”
Vincenzo denkt kurz nach.. schließlich sagt er: “Okay. Ja, das ist gut.”
Sagt Pierre: “Es wird die Ausgeburt der Geschmacklosigkeit! Es wird das Wort ‘Kackstelze’ neu definieren! Jeder, der jemals wieder an Klumpfüße oder Kackstelzen denken wird, wird automatisch diese Art von Schuh vor Augen haben! Wir lassen ihn so aussehen, als sei er von Sträflingen im Gefängnis gefertig worden, die keine richtigen Werkzeuge wie Sägen oder so benutzen dürfen. Ha! Wenn wir dann auch nur einen Menschen auf diesem Planeten finden, der dumm genug ist, für dieses pervers übertriebene Sinnbild von Hässlichkeit auch noch Geld auszugeben,alter, dann fress ich den schwulen Hut, den du da grad aufhast!”. Er zeigt auf den echt ziemlich schwulen Hut, den Vincenzo aufhat. Dessen Augen wandern ebenfalls nach oben, um den Hut zu begutachten. Ein hämisches und siegessicheres Grinsen überkommt ihn. Er streckt Pierre die Patschehand entgegen und sagt:
“Deal!”

Zwei Wochen später erstickt Pierre der Designer an seinem Erbrochenen, als er sich bei dem Versuch, einen echt schwulen Hut von seinem Kollegen und Freund Vincenzo zu verspeisen, übergeben muss. (Es ähm.. ist nämlich ein Designer-Ehrenkodex, dass Wetteinsätze konsequent eingehalten werden, auch wenn sie noch so lächerlich, gefährlich oder nur-so-dahergesagt-mäßig sind.)

Von der Werkbank gefallen, bevor sie zu Ende gefräst werden konnten?

Ich finde es nur fair, wenn wir ab heute jedesmal zumindest für einen kurzen Augenblick an Pierre denken, wenn wir eine Frau sehen, die solche Schuhe trägt.

- H.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Kultur & Alltag

2 Antworten zu Fuß-Vergewaltigung

  1. Eva

    Solche Keilabsätze finde ich auch nicht so besonders toll. Aber immerhin waren sie einmal Mode.
    jetzt zum Glück nicht mehr.
    Muss sagen, dass ich keinen Schuh in dieser Form habe.

  2. Jetzt zum Glück nicht mehr?
    Man, vielleicht sollte ich auch in die Schweiz kommen. Hier bei uns scheinen die nämlich momentan auf ihrem absoluten Höhepunkt angelangt zu sein, was “Angesagtheit” und Akzeptanz angeht. Jeden Morgen sehe ich mindestens 70 Paare davon an mir vorbeischreiten.

    Kann aber auch ganz unterhaltsam sein: Die wenigsten können nämlich überhaupt gehen auf diesen Dingern. Donnerstag hat sich eine Lady direkt vor mir abgepackt, weil sie mit der Bedienung dieser Geräte – verzeihung: – Schuhe nicht klarkam.

    Ich finde übrigens, die sehen aus, wie so eine Art Gesundheitsschuh, der Gehbehinderten nach einem Beinbruch oder so helfen soll.

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