Besuch der Scientology Kirche inkl. Persönlichkeitstest

Was war das doch wieder für ein schönes Wochenende. Abgesehen vom seit Wochen mal wieder herrlichem Wetter, konnte ich auch etwas über mich, meine Psyche und mein Leben lernen. Das alles verdanke ich den genialen Köpfen hinter diesem Science-Fiction-Fanclub. .. Wie hieß der noch.. ach ja: Scientology.

Wir waren in Hamburg, die Sonne schien und ein Hauch von Abenteuer lag in der Luft. Nachdem erledigt worden war, weswegen wir eigentlich in der Stadt waren, blieb noch etwas Zeit. Nach einem enttäuschenden Abendmahl bei KFC (was diese Fastfood-Kette angeht, war es für mich übrigens ganz sicher das letzte Abendmahl!) überkam uns die Idee, mal die Scientology Kirche zu besuchen. Man hört ja immer so viel darüber, warum nicht also mal selbst vorbeischauen und sich ein Bild davon machen. Nachdem ich am Infoschalter am Bahnhof nach dem Weg gefragt hatte (und deswegen mitleidig und schief angesehen wurde), konnte es dann auch direkt losgehen. Getrieben von Neugier und schelmischer Vorfreude zogen wir los.

Als wir bei dem Schuppen ankamen wurden wir mit offenen Armen empfangen. Da wir nicht so recht wussten, was wir sagen sollten (“Wir ham noch nie echte Scientologen gesehen und wollten mal gucken, ob ihr wirklich so irre seid, wie es immer heißt” schien uns doch etwas plump und taktlos) kam ich auf diesen berühmten Persönlichkeitstest zu sprechen, den ich – ganz ehrlich – immer schon mal machen wollte. Vielleicht habe ich es mir nur eingebildet, aber ich meine, in den Augen des Mannes, der uns begrüßt hatte, für einen Sekundenbruchteil ein Dollarzeichen aufblitzen zu sehen, als er zu merken glaubte, wir seien ernsthaft neugierig und interessiert an dieser Religion.

Er rannte los, brachte uns zwei tuffige rosa Bögen mit jeweils zweihundert(!) Fragen darauf und legte sie vor uns auf den Tisch. Auf die Frage, warum wir diesen Test machen wollen, antwortete ich wahrheitsgemäß, dass es die pure Neugier war, die uns antrieb. Er freute sich und sagte “Schön, ja… Dafür ist der Test natürlich wie gemacht… Sie werden sehen, dass sie gar nicht so schlechte Menschen sind”. Ich wollte noch “Das weiß ich auch so, du Nacken. Für wen hälst du dich?” sagen, hielt mich jedoch zurück.

Ca. ‘ne Viertelstunde lang kreuzten wir fleißig unsere Kästchen an. Als wir fertig waren, sammelte eine Kollegin meinen Bogen ein und machte sich daran, ihn auszuwerten. Da dies einige Zeit in Anspruch nehmen sollte, setzte sich der Typ, der uns die Tests ausgeteilt hatte, zu uns und stand uns Rede und Antwort.

Zunächst war ihm daran gelegen, uns von diesen bösen Gerüchten rund um seinen Weltraumclub zu befreien. Er meinte, all die schlimmen Dinge seien von Politikern etc. erfunden worden, um die Menschen von Scientology fernzuhalten, da die Scientologen quasi die Erkenntnis mit Löffeln gefressen haben und jeden, der sich ihnen zuwendet dabei helfen können, ebenfalls zur Erkenntnis zu gelangen. Das sei natürlich gar nicht im Sinne der Oberhäupter dieser Welt, da dadurch ein gewisser Kontrollverlust zu befürchten sei.  Klang dies zumindes noch (vergleichsweise) nicht komplett hirnverbrannt, erklärte er uns dann – ganz nebenbei – noch schnell die Ursachen für Amokläufe, Selbstmorde, Kriege und so ziemlich alle anderen Übel der Welt. Weiterhin erklärte er mir, ich sei ein göttliches Wesen (wonach ich mir erneut ein “Ich weiß.” verkneifen musste) erzählte uns ein bisschen was von L. Ron Hubbard, Dianetik und schließlich – um alle Klischees zu erfüllen – kamen wir tatsächlich noch auf Mr. Tom Cruise zu sprechen.

Ich will ganz ehrlich sein: Es war eine Tortur und mehr als anstrengend, dem Typen zuzuhören, geschweige denn auf seine “Argumente” einzugehen. Von daher waren wir leider nicht so schlagfertig, wie wir es im nachhinein gerne gewesen wären und haben es versäumt, ihn auf gewisse Ungereimtheiten seiner Ausführungen anzusprechen oder ihm andere, lustige Fragen zu seiner Religion zu stellen (beispielsweise, ob er fliegen kann oder ob er wirklich denkt, wir seien lediglich die Seelen von verstorbenen Außerirdischen, die vor langer Zeit gestorben waren, wie es ja mal bei South Park dargestellt wurde.). In wie fern es bei Scientology nun um Glauben und Heiligkeit geht oder ob das alles doch eher wissenschaftlichen begründet ist, fragten wir ebenfalls nicht. Während des kompletten Gesprächs hatte ich das Gefühl, der Typ würde uns durch die (Nicht-)Kraft seiner Worte einschläfern. Vermutlich ein Scientology-Gedankentrick, mit dem er uns die Energie entzogen hat, um uns daran zu hindern, wieder zu gehen. (In der Tat fühle ich diesen energetischen Verlust auch jetzt, obwohl ich nur an das Gespräch denke!).

Gott (oder was auch immer nun deren Chef ist) sei Dank kam nach 40 Minuten die Lady, die meinen Test ausgewertet hat, um mich abzuholen und mit mir die Ergebnisse zu besprechen.

Diesem hochqualifizierten, wissenschaftlich unantastbaren und vollkommen seriösem Test zufolge bin ich zwar überdurchschnittlich selbstsicher, aktiv, durchsetzungsfähig und stabil, jedoch leider absolut depressiv, in höchstem Maße unverantwortlich und weise darüber hinaus einen Mangel an Übereinstimmungen auf (whatever the fuck that means).

Gut, dass mir das endlich mal jemand gesagt hat. Ich dachte nämlich mein ganzes Leben lang, ich sei zufrieden und glücklich. Aber da habe ich mich anscheinend geirrt. Glücklicherweise hat mir die Lady gleich drei Kurse empfohlen, um meine “Persönliche Effizienz” zu steigern. (Sollten insgesamt auch nur läppische 90 € kosten.). Sie hat mir natürlich sofort ihre Telefonnummer aufgeschrieben (uh lala) und mir in ich-bin-immer-für-dich-da-Manier nahegelgt, dass ich gerne auf sie zukommen kann, wenn ich etwas gegen meinen Zustand unternehmen will.

Nach dieser, der Beratung meines Lebens sahen wir zu, dass wir schnell wieder dort rauskamen. Uns wurden noch zwei Propaganda-DVDs geschenkt (und eine dritte zu verkaufen versucht, für lediglich 18 €).

Zum Teil habe ich diese DVDs tatsächlich angesehen. In Zusammenhang mit meinem Besuch des Ladens und dem Test habe ich folgende These zum Thema “Scientology und ihre Ideologie + ihr Plan” erstellt:

Die Idee hinter der Bewegung ist (zumindest scheinbar), dass der Mensch kein körperliches Wesen ist, sondern lediglich ein Geistähnliches Bewusstsein, das kein Körper ist, sondern diesen lediglich besitzt und quasi als Transportmittel in der materiellen Welt benutzt. Bis dahin klingt es eigentlich wirklich lediglich nach einer gar nicht mal so untypischen religiösen Ansicht.

Abartig bis lächerlich wird es jedoch dadurch, dass die Scientologen allen Ernstes behaupten, die einzig wahre und unanfechtbare Erkenntnis erlangt zu haben und definitiv zu wissen, wie man die höchste Form von Perfektion erreicht, die es einem erlaubt, “Unendlichkeit” zu erreichen (kein Witz) und von der Körperlichkeit zurück in den ursprünglichen, geistigen Zustand zu gelangen. Jeder normaldenkende Mensch fragt sich da natürlich, was sie denn dann noch in ihren Körpern hält, wenn sie’s doch eigentlich draufhaben müssten, bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter zu.. …  fliegen? Dem begegnen sie mit dem Argument, sie wollen allen Menschen helfen, ihre persönliche Perfektion zu erreichen. Dass das nur ein scheinheiliger Vorwand ist, um ununterbrochen und ohne Ende Kurse zu völlig überteuerten Preisen anzubieten, wird jedem klar, der mal zwei Minuten drüber nachdenkt.

Die oben erwähnten Persönlichkeitstests werden als Grund dafür genutzt, jemandem scheinbare Verbesserungen vorzuweisen und ihm damit vorzugaukeln, diese lächerlichen Kurse würden irgendwas bewirken. Dass die Ergebnisse jener Tests absolut willkürlich und zusammengesponnen sind, ist ja wohl mehr als, klar, wa? Interessant ist, dass sich anscheinend noch niemand durch die Teilnahme an diesen Kursen bis zur Unkenntlichkeit…verzeihung: Unendlichkeit durchgebissen hat. Das allein sagt eigentlich alles.

Beachtlich fand ich die subtilen Gehirnwäsche-Versuche unserer Gesprächspartner. Wie ich bereits erwähnt habe, fühlte wir uns wahnsinnig ausgelaugt. Es war, als haben sie mit ihren Jedi-Gedankenzaubertricks eine Art Schleier über uns geworfen, der sämtliche Gegenargumente regelrecht unterdrückt und die Idee von Widerstand an sich nahezu gelähmt hat. Das würde auch erklären, warum uns erst, als wir uns aus ihren sabberigen Fängen befreit hatten, wieder Fragen und Widersprüch zum Gesagten einfielen. Mal ganz im Ernst und ohne Witz: Dezente psychische Manipulationsversuche sind uns tatsächlich im Verlauf des Gespräches aufgefallen. Scheinbar beiläufige Bemerkungen, das subtile Wiederholen bestimmter Phrasen und das unauffällige Fragen nach eigentlich sehr intimen Gedanken und Gefühlen waren nur einige der gar nicht mal so ungeschickt angewendeten Tricks.

Gottseidank sind wir psychisch abgestumpft, bzw. verfügen über ein gewisses Maß an Ignoranz, sodass sie uns mit ihren Bohrern zwar geschwächt, aber keineswegs in irgendeinster Weise erreicht, geschweige denn überzeugt haben.

Dass diesen Spackos psychisch labile Menschen in die Hände fallen, wundert mich jedoch nicht mehr. Andererseits… muss man schon echt wahnsinnig dumm und selbstzweifelnd sein, um diesen Idioten auch nur irgendwas zu glauben. Von daher haben diejenigen, die ihnen in die Falle gehen, es meiner Meinung auch gar nicht anders verdient.

Wir können also als Bilanz den Schluss ziehen, dass wir Mitgliedern der Scientology in nahezu jeder Hinsicht überlegen sind.

Jeder, der sich Scientologe nennt, ist unzufrieden mit seinem Leben. Das ist nicht weiter tragisch, denn jeder ist mal unzufrieden. Und daran was ändern zu wollen ist sicherlich nicht verwerflich – Im Gegenteil. Jedoch nicht auf die Idee zu kommen, das aus eigener Kraft zu tun und sich irgendwelchen Spinnern anzuvertrauen ist ziemlich dumm. Und es ist noch viel dümmer, diesen Spinnern auch noch unmengen Geld dafür zu geben. Folglich ist also automatisch auch jeder, der sich Scientologe nennt, dumm.

Wir sollten also von heute an versuchen, verachtlich und überheblich auf Scientologen herabzusehen (meinetwegen auch mit einem Fünkchen Mitleid, wenn ihr euch dadurch besser fühlt).

<Ich entschuldige mich für die abartige Länge dieses Artikels. Ist diesmal ein sehr zäher Beitrag geworden, ich weiß. Aber dadurch gibt er in gewisser Weise die perfekte Möglichkeit, das Gefühl nachzuempfinden, das uns innewohnte, als wir uns von der Spacecrew haben dichtlabern lassen. In diesem Sinne,>

möge L. Ron Hubbard euch segnen und dabei helfen in die unendlichen Jagdgründe des Weltalls einzugehen.

- Hendrik

1 Kommentar

Eingeordnet unter Kultur & Alltag

Eine Antwort zu Besuch der Scientology Kirche inkl. Persönlichkeitstest

  1. Eva

    Sehr interessant dein Erlebnis bei Scientology.
    Wahrscheinlich machen die das dort extra so lange (und unverständliche Erklärungen), dass du keine Lust mehr hast und dann “ja” zu allem sagst.
    Vor einiger Zeit habe ich mit einer Kollegin eine DVD von denen angeschaut. Und beim ersten mal nichts verstanden. Daraufhin haben wir sie uns nochmal angeschaut. Und noch viel weniger verstanden.

    Man muss wohl zu einem solcher Treffen gehen um etwas zu verstehen. Aber tja, um auch mehr zu verstehen muss man wahrscheinlich auch noch ein Level höher kommen. (und das ist ja dann das Ziel). :)

    Hat mir sehr gut gefallen. So langweilig war dein Beitrag gar nicht.

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